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Die Kirchenaussattung

Zierrat in Stuck und Marmor

Ornamentmalerei

1771 arbeitete Knoller den zweiten Sommer in Neresheim. Bevor er im September nach Mailand abreiste, kam ein weiterer Kontrakt zustande, der ihm gegen 3000 fl. die Ornamentmalerei „bis auf das Hauptgesimbs“ hinab übertrug. Dieser Schmuck ist gekonnt sparsam gehalten, um die Wirkung der Kuppelfresken nicht zu schmälern.

Stuckierung

Thomas Schaidhauf aus Raisting bei Wessobrunn, ein Mitglied der Stuttgarter Karlsakademie, kam nach Neresheim. Er entwickelte ein Zierprogramm nach seinen Vorstellungen für die Stuckierung und setzte es zwischen 1776 und 1778 um. Die Freisäulen weisen korinthische, die Pilaster Komposit- Kapitelle und die Dreiviertelsäulen ionische Formen auf. Als Schmuck der Fensterwandungen, der Galeriegewölbe und der Travéebögen sind Rosetten, Blattwerk, Girlanden sowie Fruchtgehänge gewählt. Die Durchgänge zieren recht opulente Vasen, teilweise auch sehr lebendige Puttengruppen. Alle Stuckaturen sind in schlichtem Weiß gehalten, sodass der feine Schwung ihrer Linien allein vom Lichteinfall und Schattenwurf reflektiert und zurückhaltend betont wird.

Baudirektor in Neresheim

Thomas Schaidhauf hatte sein Können bewiesen und die Vorstellungen seines Auftraggebers so zufrieden stellend und zuverlässig erfüllt, dass ihm 1779 die Tätigkeit eines Baudirektors im ständigen Dienst der Abtei angeboten wurde. Er sagte zu und blieb Neresheim länger als ein Jahrzehnt, bis zum Abschluss der Bauarbeiten in der Abteikirche, verpflichtet. Neben der verantwortlichen Leitung aller allgemeinen Bauangelegenheiten, fiel ihm somit auch die Gestaltung und Ausführung der gesamten kultischen Kirchenausstattung zu. Wie selten sonst, weist sie in Neresheim dadurch eine konsequent einheitliche Handschrift auf – allerdings nunmehr ziemlich abgewandt von der schwungvollen Formensprache des Spätbarock.

Chorwand und Seitenaltäre

Als Erstes entstanden 1778 das 6,6 m hohe Kruzifix an der Chorwand und 1779 die beiden großen Seitenaltäre: der Dreifaltigkeitsaltar und der Marienaltar. Letzterer behielt als einziger Altar in der gesamte Kirchenausstattung noch eine Figur aus der alten Basilika des Klosters: die um 1629 von Christoph Rodt geschaffene Holzplastik der gekrönten Muttergottes mit Kind.

Hochaltar und Faldistorien

1781 wurde der Hochaltar vollendet, 1783 folgten die Faldistorien mit dem Abtsthron und dem Priestersitz, 1785 die dazugehörenden Kredenztische. Das Mittelstück der beiden Faldistorien bilden die Stifterfiguren des Klosters: Herzog Tassilo von Bayern, dem die Legende die Gründung des Klosters nachsagt, und Graf Hartmann von Dillingen, dem urkundlich die Stiftung zugeschrieben ist.

Kuppelaltäre

In den Jahren 1786 und 1787 erhielten die vier Säulenpaare an der Rotunde unter der Hauptkuppel jeweils einen Altar. Auf der südlichen Seite zu Ehren des hl. Josef mit dem Jesuskind sowie der hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus, auf der nördlichen dem hl. Benedikt und der hl. Scholastika geweiht. Darüber hinaus wurden 1787 noch zwei weitere Altäre errichtet: der Johannis- und Andreasaltar, jeweils an der Ostseite des südlichen und des nördlichen Querhauses.

Kanzel und Taufbrunnen

1788 entstand die Kanzel. Ihr Schalldeckel ist von einem Engel mit der Tafel der Zehn Gebote gekrönt. Die Front des Kanzelkorbes schmückt ein vergoldetes Stuckrelief, das den hl. Paulus als Prediger zeigt. Im gleichen Jahr wurde noch die umlaufende Kommunionsbank als Einfassung des Kuppelraumes aufgestellt. Gegenüberliegend, auf der anderen Seite des Längshauses, fand 1789 die Gestaltung des Taufbrunnens ihren Abschluss. Über der Brunnenschale erhebt sich die Darstellung von Christus, den Kreis seiner Jünger zur Verkündung und Taufe auffordernd.

Querhausaltäre

1790 folgte abschließend die Aufstellung der letzten beiden Altäre: des Ulrichund des Afraaltares, jeweils auf der Westseite im nördlichen und im südlichen Querhaus.

Die Orgelbauten

Die Hauptorgel

Über dem rückwärtigen Hauptportal der Westfront dominiert auf hoher Empore die große Hauptorgel. Das Orgelwerk fertigte „Schwabens berühmtester Orgelmacher:“ Johann Nepomuk Holzhay aus Ottobeuren. Den Entwurf zum Gesamtprospekt lieferte Thomas Schaidhauf. Orgelbau und Aufstellung wurden bereits 1792 begonnen.

Wiederherstellung

Holzhay hatte das Instrument mit großer Sorgfalt auf den Raum und seine Akustik abgestimmt. Wiederholte Eingriffe und mangelnde Pflege während des 19. und 20. Jahrhunderts erzwangen eine sachkundige Restaurierung. Zwischen 1970 und 1979 wurde der Orgel die historische Klangsubstanz weitestgehend zurückgegeben.

Bedeutung der Hauptorgel

Das Werk zählt 48 Register mit 3553 Pfeifen. Spiel- und Registertraktur sind vollmechanisch. Die Orgel fügt sich heute erneut würdig in die Reihe der süddeutschen Großorgeln aus dem 18. Jahrhundert ein.

Die Chororgel

Die erste Chororgel wurde 1781 von Joseph Höß aus Ochsenhausen erbaut. Ihr Werk umfasste 21 Register. Feuchtigkeit und Vernachlässigung zerstörten sie im 19. Jahrhundert gänzlich. 1949 erstellte die Firma Steinmeyer aus Oettingen eine neue Chororgel mit 26 klingenden Registern und elektrischer Traktur. Sie kann vom Spieltisch der Hauptorgel angespielt werden und begleitet täglich den Choralgesang der Mönche.

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