zurück zur Kapitelübersicht

Schützen und nützen

Säkularisation, Wiederbesiedlung

Säkularisation

1802 endete das siebenhundertjährige Bestehen der Abtei. Im Frieden von Luné-ville fielen 1801 alle linksrheinischen Gebiete an das napoleonische Frankreich. Die Fürsten des Reiches wurden für den Verlust aus geistlichem Besitz entschädigt. Es kam zum Reichsdeputations-Hauptschluss. 18 Bistümer, 80 Abteien und mehr als 200 Klöster in Süddeutschland und Österreich wurden säkularisiert und ihre Besitzer enteignet. Kloster Neresheim fiel mit Inventar, Baulichkeiten und Ländereien den Fürsten von Thurn und Taxis zu. Abt Michael Dobler, 26 Patres und 5 Laienbrüder mussten ihre Heimstatt auf den Ulrichsberg verlassen.

Wiederbesiedlung

Es dauerte mehr als ein Jahrhundert, ehe mönchisches Leben zurückkehren konnte. Infolge des Ersten Weltkrieges waren Benediktiner der Beuroner Kongregation aus dem Kloster Emaus in Prag vertrieben worden. Mit der Erlaubnis des Fürsten Albert V. von Thurn und Taxis besiedelten sie 1919 die alte Abtei Neresheim, zusammen mit weiteren Patres und Brüdern aus Beuron. Am 19. August 1921 fand die Wahl des ersten Abtes von Neu-Neresheim statt: P. Dr. Bernhard Durst aus der Erzabtei Beuron.

pro Neresheim

Verein zur Erhaltung der Abteikirche Neresheim e.V.

1966 musste die Abteikirche Neresheim, Balthasar Neumanns letzter, großer Sakralbau, wegen akuter Einsturzgefahr baupolizeilich geschlossen werden. Im „Verein zur Erhaltung der Abteikirche Neresheim e.V.“ fanden damals Freunde und Helfer zusammen, um die Mönche auf dem Ulrichsberg bei der Wiederherstellung ihres kultur- und kunstgeschichtlich bedeutenden Erbes zu unterstützen. Das Symbol sind die schützenden Hände. Die Losung heißt „pro Neresheim“.

1975 konnte die Abteikirche gerettet wiedereröffnet werden. Alle übrigen Bauten des Klosterensembles befanden sich jedoch in mehr oder weniger gleich desolatem Zustand, so dass der Freundeskreis „pro Neresheim“ seine Mithilfe seither auf die Wiederherstellung und Erhaltung des Ganzen ausgedehnt hat.

Vieles ist inzwischen getan! Vieles bleibt noch zu tun! Mehr als tausend Mitglieder und namhafte Spender „pro Neresheim“ suchen deshalb Gleichgesinnte, die mit ihnen die berzeugung teilen, dass ein Baudenkmal wie die Abtei Neresheim ein Stück unser aller Kultur und Geschichte verkörpert, dass dieses großartige Erbe auch gemeinsame Aufgabe ist.

Was die Abtei erhält, gibt sie auf ihre Weise vielfach zurück. Sie ist Erlebnis - ein ganz besonderer Ort der „Besinnung, Bildung und Begegnung“ inmitten einer der reizvollsten Landschaften Baden-Württembergs: der Weite des Härtsfeldes, am Ostrand der Schwäbischen Alb.

Die wiederhergestellte Abteikirche zählt mit ihren Deckenfresken von Martin Knoller zu den absoluten Höhenpunkten der europäischen Barockarchitektur. Das restaurierte und gut ausgestattete Klosterhospiz steht Tagesbesuchern, ruhe- und erholungssuchenden Urlaubsgästen, wie Tagungs- und Seminarteilnehmern gleichermaßen offen. Während der Sommermonate sind die „Konzerte in der Abteikirche“ mit ihren international bekannten Interpreten Musikereignisse von außerordentlichem Rang.

Besinnung, Bildung, Begegnung

Die Neresheimer Konzerte

Während der Sommermonate finden mehrmals Konzertveranstaltungen statt, die sich sowohl bei ihren international bekannten Interpreten, als auch einem regelmäßig festen Zuhörerkreis über die Region hinaus großer Beliebtheit erfreuen.

Der Knabenchor

Seit 2004 gibt es einen Knabenchor. Er singt regelmäßig bei Gottesdiensten in der Abteikirche Neresheim und bei eigenständigen Auftritten. Neben ein- und mehrstimmigen Chorsätzen aus unterschiedlichen Epochen kommt der Gregorianik eine besondere Bedeutung zu.

Das Klostermuseum

Im Herbst 2009 öffnete ein weiterer Anziehungspunkt seine Tür: das Klostermuseum mit interessanten Dokumentationen der Entstehungs- und Baugeschichte, mit sehenswerten Räumen wie dem Festsaal von Dominikus Zimmermann.

Das Hospiz

Das Hospiz ist Gasthof, Tagungsstätte, Hotel und ruhiges Urlaubsdomizil für Naherholung, Kultur- und Landerlebnis mit eigenem Kursangebot der „Besinnung, Bildung und Begegnung.“ Die Küche wartet mit regionalen Erzeugnissen aus der klostereigenen Landwirtschaft auf.


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


In der Klosterbuchhandlung gibt es den „Wegweiser durch das Kloster und seine Abteikirche“ von Manfred Schindler, der Grundlage für diesen Audioguide ist, als Taschenbuch zu kaufen. Viel Freude damit.


© MSW Wirtschafts- und Kulturverlag

zurück zur Kapitelübersicht